Man muss akzeptieren, dass Städte Orte sind, die Veränderungen mit sich bringen

Thomas Siemon

Lesedauer: 13 Minuten

Seit Ende der 1990er Jahre gibt es auf dem ehemaligen Baumwollspinnereigelände in Leipzig die Plumbum Druckwerkstatt. Thomas Siemon druckt dort alles was man möchte im Buchdruck. Hauptsächlich Hochdruckgrafik, aber auch andere feine Drucksachen wie bibliophile Bücher, Karten und Plakate.

Wann kamst du zum ersten Mal nach Leipzig?

Ein paar Kollegen und ich haben 1991 in einem zerfallenen Haus eine kleine Ausstellung organisiert und mich faszinierte damals, wie das hier aussah. Ich hatte die Vorstellung, dass es so in den 1950er Jahren auch im Westen aussah. In der Innenstadt standen Ruinen, unten war manchmal ein Laden drinnen und darüber vier leere Stockwerke. Ich sah mir auch die Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) an und die tolle Bleisatzwerkstatt, die sie damals hatten.

Was habt ihr in der Ausstellung gezeigt?

Es waren politische Sachen aus Ost und West. Ich habe kein so ganz scharfes Bild mehr davon. Ich weiß nur noch, wie wir durch irgendwelche Nebenstraßen tigerten und Plakate klebten. Ein paar Kollegen aus dem Westen waren angereist. Die Fahrt aus dem Westen kommend war damals noch etwas mühsam, weil die Straßen noch sehr marode waren. Ich erinnere Riesenstaus auf dem Weg nach Leipzig.

Du kommst ursprünglich aus dem Westen?

Ja, aus Kassel und später bin ich in der norddeutschen Provinz in Uelzen aufgewachsen. Während dieser Phase stellte ich fest, dass mir Kleinstädte nicht gefallen. Meine Wurzeln in Bezug auf das Drucken liegen auch in Uelzen. Es gab dort eine Bleisatzwerkstatt, in der ich als Jugendlicher anfing meine ersten Handsatzerfahrungen zu machen.

Im Keller meiner Wohnung baute ich meine erste eigene Druckwerkstatt auf.

Buchdruckwerkstatt von Thomas Siemon auf dem Gelände der ehemaligen Baumwollspinnerei in Leipzig Lindenau.
Blick in Thomas Siemons Werkstatt in Halle 18 der Baumwollspinnerei. Im Hintergrund ein Teil der übereinander gestapelten Setzkastenschränke mit vielen Schriftsätzen.

Was wurde dort gedruckt?

Es war eine private Werkstatt eines exzentrischen Menschen, der einen Wasserturm kaufte und dort die Druckerei betrieb. Im wesentlichen wurden Flugblätter und ähnlich subversive Dinge produziert. Damals war das für mich sehr aufregend und es hat meine Leidenschaft für die Buchdruckkunst geweckt. Bücher waren immer schon toll, das war natürlich auch familienbedingt, mein Vater hatte eine Buchhandlung. Ich machte eine Buchhändlerlehre und ging für meinen Zivildienst nach Kassel, wo ich im Keller meiner Wohnung meine erste eigene Druckwerkstatt aufbaute.

Was hast du gedruckt?

Kleine Büchlein, Postkarten. Mit Texten, die von anderen stammten. Selbst geschrieben habe ich bislang noch nicht. Ich arbeitete als Buchhändler, aber mir wurde klar, dass ich das nicht bis an mein Lebensende machen möchte. Ich wollte Bücher herstellen, allerdings keine Lehre als Offsetdrucker machen. So kam die Idee auf, mich an der HGB zu bewerben. Die gute Erinnerung an Leipzig war immer noch da. Die Baulücken, die leeren Häuser, der bröselige Charme. Das hat mir besser gefallen als alles, was schick und glatt ist. Allerdings war ich zweimal hintereinander der sechszehnte von fünfzehn Bewerbern, die sie für den Studiengang nehmen wollten und so entschied ich mich, zurück nach Kassel zu gehen.

Und wie ging es wieder nach Leipzig?

Bei meiner ersten Aufnahmeprüfung in Leipzig 1996 lernte ich jemanden kennen, der sich auch für Bleisatz interessierte. Er machte damals im Museum für Druckkunst eine Lehre. Wir freundeten uns an und beschlossen gemeinsam mit einem dritten Freund, eine Werkstatt in der Spinnerei aufzumachen.

Ist das die Werkstatt, in der du noch immer arbeitest?

Ja, inzwischen bin ich hier alleine. Es fing damals toll an. Wir bekamen eine Setzerei geschenkt, die bei einer Druckerei im Keller stand. Zwanzig Setzregale mit vielen Schriftschnitten.

Unser Sammeltrieb war sehr ausgeprägt und die Zeit dafür war günstig.

Werkstatt des Buchdruckers Thomas Siemon auf der Baumwollspinnerei Leipzig.
In jeder Schublade lagert mindestens ein Schriftfontschnitt.
Thomas Siemon bei der Arbeit in seiner Werkstatt in der Baumwollspinnerei Leipzig.
Die einzelnen Buchstaben werden In einem Winkelhaken zu Zeilen gesetzt.

Wie kam es dazu?

Wir kannten ein paar Leute und riefen auch Druckereien an, ob sie alte Sachen abstossen wollten. In diesem Fall passte es gerade. Sie hatten zwei kleine Offsetmaschinen und fanden es sympathisch, dass da so ein paar verrückte junge Typen ankamen, die sich dafür interessierten. Ich bin damals oft zwischen Leipzig und Kassel gependelt, um Maschinen oder Schriften zu transportieren und dort abzuladen.

Du hattest in Kassel damals mehr als einen Drucktiegel?

Ja, zwei Drucktiegel, eine Linotype Setzmaschine, Schriften, die dann zu größten Teilen nie nach Leipzig gekommen sind. Sie waren in Kassel eingelagert. Trotzdem ist es uns in wenigen Jahren gelungen, diesen großen Spinnereiraum mit Material zu füllen. Es hat eine seltsame Eigendynamik angenommen. Kollegen riefen uns an, dass hier und dort noch etwas herumsteht. Unser Sammeltrieb war sehr ausgeprägt und die Zeit dafür war günstig. Die Altmetallpreise waren noch nicht so hoch und es gab auch noch kein ebay. Wir haben das Material überwiegend von Druckereien für symbolische Preise bekommen.

Du hast doch auch den Tiegel transportiert, der jetzt bei den Buchkindern steht?

Ja, das ist ein kleines Nebengeschäft. Ich repariere auch mal Maschinen. Das habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet. Es gab einen älteren Maschinentransporteur, von dem wir viel gelernt haben. Er lieh uns auch das Material, dass man brauchte. Hebehydraulik und Rollen. Wir mussten das immer schon selber machen, weil wir wenig Geld hatten.

Druckmaschine in der Werkstatt von Thomas Siemon in Leipzig.
Die Zylinderpresse »Präsident« stammt aus den 1960er Jahren, in der Stunde schafft diese Druckmaschine 1000 Bögen.
Blick in die Werkstatt des Buchdruckers Thomas Siemon in Leipzig Lindenau.
Die Bleisatz-Ecke in der Werkstatt.

Eine Druckmaschine die bei dir steht, die Präsident, wiegt 8 Tonnen. Wie hebt man einen solchen Koloss?

Die Maschine stand in Hamburg, in einer kleinen Druckerei. Es ist der einzige Transport, für den wir Profitransporteure engagiert hatten. Sie hatten unter anderem einen 10 Tonnen Gabelstapler, mit dem sie die Maschine ziehen und verladen konnten. Wir mussten anschließend bei uns einen Wanddurchbruch zum Nachbarraum machen, sonst hätten wir die Maschine nicht in die Werkstatt bekommen.

Somit ist sie jetzt praktisch fest installiert.

Ja, so einfach kommt die nicht wieder raus.

Anfangs habt ihr die Werkstatt zu dritt betrieben. Da waren die Mietkosten vermutlich noch sehr übersichtlich.

Es waren zu Beginn durchaus symbolische Betriebskosten. Mittlerweile hat die Spinnerei diese auf realistische Werte angepasst, aber ich bin immer noch sehr glücklich mit den Kosten.

Bist du nach dem Studium direkt nach Leipzig gezogen? Kamen auch andere Städte in Frage?

Nein, mir gefiel Leipzig ja immer noch sehr. Ich habe also auch nicht nach Alternativen gesucht. Es hätte ja sonst auch keinen Sinn gemacht, diesen Haufen an Altmetall zu sammeln. Es passte auch für meine damalige Frau, die hier einen Referndariatsplatz bekommen hat. So sind wir in der Feuerbachstraße gelandet, in einem unsanierten LWB Haus, wo noch vier von fünfzehn Wohnungen bewohnt waren. Riesig, groß und billig. Dort sind wir aber von chinesischen Investoren vertrieben worden. Wohnungspolitisch finde ich es ziemlich schade, dass die LWB ihre Häuser einfach alle verkauft hat.

Ich war immer schon eine kleine Nische für Exoten. Ich bin da weit entfernt von dem normalen Druckmarkt.

Wie beginnt man in einem solch alten Handwerk zu arbeiten?

Am Anfang war das nicht als ernsthafter Brötchenverdienst gedacht. Ich wollte eigene Kunstbücher-Projekte machen. Zu dieser Zeit hat sich niemand für Buchdruck interessiert. Dieser Letterpress Hype, war Anfang des Jahrtausends nicht so ausgeprägt wie heute. Ich dachte, dass ich als Grafik-Designer Geld verdiene.

Ich bin auf dich aufmerksam geworden über das Plumbumheft.

Ich merkte bald, dass niemand Grafik-Designer braucht. Das lief gar nicht. Die Werkstatt lief auch erst einmal nicht. Die Zeitschrift Plumbum war eine Idee, dass mal in Schwung zu bringen.

Die Nullnummer war meine Abschlussarbeit für Kassel und ich dachte es sei vielleicht gar nicht so schlecht, etwas Abschließendes zu machen, was auch schon wieder ein Anfang ist. Ich hatte damals auch Carl-Christian Elze, einen Leipziger Schriftsteller kennengelernt und mit ihm eine Miniredaktion gebildet. Es gab zwei Hefte im Jahr und Lesungen. Das war gut für mich, um überhaupt einmal loszulegen. Zu Beginn waren die Hefte auch noch doppelt so groß, bis wir merkten, dass das zu unpraktisch zum Verschicken war. Beendet haben wir Plumbum mit der zehnten Ausgabe, da war bei allen Beteiligten ein bisschen die Luft raus. Ich bekomme aber noch immer ungefragt Texteinsendungen von Autoren zugeschickt.

Also lag der Fokus am Anfang auf den Texten und dann kamen erst später Linolschnitte dazu?

Ja, Christoph Ruckhäberle kam 2006 das erste Mal in die Werkstatt mit einer Linolplatte unterm Arm. Da zeichnete sich erstmals ab, dass sie Unternehmung auch wirtschaftlich tragfähig sein könnte. Ich habe gemeinsam mit Christoph viel gedruckt, unter anderem 2007 das erste Lubokbuch. Das war der Beginn des Lubokverlags.

Also hast du Lubok mit ins Leben gerufen?

Ja. Wir sind ziemlich naiv und gänzlich ohne wirtschaftlichen Pläne herangegangen. Wenn Christoph etwas Spaß macht, dann will er auch viel machen. Irgendwann kamen auch andere Künstler dazu und ich hatte plötzlich in meiner Werkstatt Paletten mit Büchern stehen. Es war dann klar, dass es ein Verlag werden muss. Zu Beginn habe ich den Vertrieb übernommen, aber irgendwann wurde es einfach zu viel.

Wie kam es zum Namen Lubok?

Den hat sich Christoph ausgedacht. Es ist ein russischer Begriff, der im 19 Jahrhundert billig hergestellte Massendrucksachen bezeichnete. Mit kleinen Verlagen ist es immer grundsätzlich schwierig, auf Null rauszukommen. Alle Leute finden diese Bücher toll, aber sie kaufen natürlich nicht alle eines. Das ist schon ein schwieriges Geschäft.

Aber mit den veröffentlichten Büchern kamen auch andere Künstler auf dich zu?

Ja, andere Künstler oder auch Designer. Es ist ja eine Mischung aus Kunst und Design, die ich mache. Manchmal sind auch Sachen für Verlage dabei, Buchumschläge oder einzelne Druckbögen.

Gab es außergewöhnliche Druckaufträge?

Es gab einmal für den Prestel Verlag einen schönen Auftrag. Ein Reprint von Dürers Marienleben. Dafür war ich auch extra im Archiv in Nürnberg und habe mir das Original angeschaut. Es war auch ein sehr aufwendiger Prozess, die Filme für die Klischees herzustellen. Der Druckprozess war nicht einfach, weil es sehr feine Motive sind. Ich war stolz, dass ich das so hinbekommen habe. Es gibt immer mal wieder schräge Sachen. Das liegt auch mal an der Farbigkeit. Christophs große Bögen, die aus sechs Bögen à 100 x 140 cm zusammengesetzt werden. Oder die Tapeten, die er macht. Es gab auch mal eine Ausstellung von Lubok im Museum der Bildenden Künste. Das müsste so 2008 oder 2009 gewesen sein. Wir haben dort zwei Tage lang den ganzen Raum tapeziert und am nächsten morgen hing die Hälfte wieder unten, weil die Klimaanlage im Museum nicht mitspielte.

Thomas Siemon mit der von ihm gedruckten Faksimile-Ausgabe von Dürers »Marienleben«.
Thomas Siemon mit der von ihm gedruckten Faksimile-Ausgabe von Dürers »Marienleben«.
Die ursprünglich von Albrecht Dürer als Holzstich angelegten Vorlagen wurden als Klischees aufbereitet und dann nachgedruckt.
Die ursprünglich von Albrecht Dürer als Holzstich angelegten Vorlagen wurden als Klischees aufbereitet und dann nachgedruckt.

Christoph Ruckhäberle nutzt diese Tapeten auch bei seinen eigenen Ausstellungen.

Christoph hat das für sich entdeckt. Das Anbringen ist wohl immer ein Albtraum. Ich war ganz froh, dass ich das nur zweimal machen musste. Die Motive sind in Linol geschnitten und das passt natürlich schon von den Platten her nicht genau, und beim Druckprozess addieren sich die kleinen Ungenauigkeiten. Wenn obendrein die Wand noch leicht schief ist, wird es schwierig.

Du arbeitest allein. Ist das nicht schwierig, wenn sich Aufträge ballen?

Ja und das ist immer unterschiedlich. Es gibt auch die Phasen, in denen immer alles auf einmal kommt und am besten morgen fertig sein soll. In den letzten beiden Jahren lief es gut und verteilte sich angenehm. Aber es gibt immer mal wieder Jahre in denen es finanziell schwierig ist.

Würdest du Leuten raten sich damit selbständig zu machen?

Wenn man verrückt genug ist, sich mit so alter Technik auseinanderzusetzen zu wollen und etwas cleverer im Marketing ist als ich, kann man das schon machen. In Essen gibt es eine Druckerei, die ist relativ groß geworden. Die drucken hauptsächlich Visitenkarten. Das ist sozusagen Flyeralarm für Buchdruck. Die sind natürlich auch ziemlich teuer. Das kann schon laufen, wenn man mit der Vermarktung gut ist. In den USA gibt es auch relativ viele Druckereien, aber das sind meist Neugründungen von jungen Designern. Das bedient die Hipsternische ganz gut.

Siehst du eine Veränderung in den Aufträgen?

Ich war immer schon eine kleine Nische für Exoten. Die Leute wollten schon immer was Besonderes und waren auch bereit dafür zu bezahlen. Ich bin da weit entfernt von dem normalen Druckmarkt. Es bewegt sich innerhalb des Buchmarkts etwas. Dadurch, dass es Onlineshops gibt.

Vor fünfzehn Jahren haben alle von der sterbenden Stadt gesprochen, jetzt sind die letzten Bruchbuden saniert und vermietet.

Detail in der Buchdruckwerkstatt von Thomas Siemon auf der Baumwollspinnerei Leipzig
Detail in der Buchdruckwerkstatt von Thomas Siemon auf der Baumwollspinnerei Leipzig
Detail in der Buchdruckwerkstatt von Thomas Siemon auf der Baumwollspinnerei Leipzig

Bekommst du den Wandel der Stadt auch in deiner Werkstatt mit?

Grundsätzlich habe ich bemerkt, dass ich mehr Aufträge bekomme, was natürlich mit dem Stadtwandel zusammenhängt. Vor fünfzehn Jahren war es hier relativ leer und einfach wenig Leute mit Kaufkraft da. Den Unterschied merke ich schon. Vor fünfzehn Jahren haben natürlich alle noch von der sterbenden Stadt gesprochen und überlegt, was man mit dem Leerstand machen soll und wieviele Parks man noch anlegen soll. Es überrascht mich, dass sich das so gedreht hat und auch die letzten Bruchbuden nun saniert und vermietet sind. Ich habe ja auch 2009 bei einem Bauprojekt in der Josephstraße mitgemacht und nicht damit gerechnet, dass es fünf Jahre später so aussieht. Es war ein schönes Abenteuer, aber jetzt wohne ich auch nicht mehr dort.

Hier hat sich vieles verändert. Dass so viele Leute reinkommen, das finde ich gut. Wenn ich an 2000 denke, wo hier noch die Hälfte Leerstand war und die einzigen Kneipen der Josephpub und die Schaubühne waren. Das verbessert ja auch die Lebensqualität. Bislang ist die Entwicklung positiv. Man möchte jetzt natürlich gerne mal den Stoppknopf drücken und sagen, jetzt reicht es. Das ist natürlich grundsätzlich schwierig und man muss eben auch akzeptieren, dass Städte Orte sind, die Veränderungen mit sich bringen über die Jahre. Ich mag die Brachen und finde es besonders schade, dass diese nun nach und nach alle verschwinden. Das ist schon eine zwiespältige Entwicklung. Man findet immer noch Ecken, wo man rumstromern kann, wo einen keiner nervt. Das verlagert sich eben alles. Früher war der Plagwitzer Bahnhof eine ganz schöne Ödnis. Jetzt hat die Gegend sich in dieses komische, spießige Reihenhausidyll mit den zweiten Zollschuppenhäusern verwandelt. Es ist alles auf eine Art ganz nett, mit dem Bauspielplatz, aber hat jetzt so eine seltsame Ordnung und Niedlichkeit.

Seit ein paar Jahren findet das vom BKK Leipzig (Bund Bildender Künstler) organisierte Hochdruck-Grafik-Symposium in der Werkstatt statt. Diese »Paketwerfenden-Skelette« vom Kollektiv Tod Verlag kleben seit dem letzten Symposium an unterschiedlichen Stellen der Baumwollspinnerei.

Wie läuft das Printjamprojekt, dass du mit anderen Künstlern organisiert?

Wir sind gerade dabei, das Zweite zu organisieren. Wir haben 2013/14 angefangen uns in einer Gruppe von fünf Künstlern zu treffen, um gemeinsam zu drucken und unsere Druckplatten zu mischen. Das war eine Idee von den beiden französischen Künstlern, die dabei sind. Einer von denen war 2012 mal für eine Residenz in Leipzig und bei mir in der Werkstatt. Die kamen mit dieser Printjamidee. Mit absurd vielen Druckvorgängen. Christoph und ich wußten erst einmal überhaupt nicht was sie wollten.

Was meinten die mit »mischen«?

Es war so, dass jeder von uns ein Motiv entwickelte und wir zusätzlich unsere jeweiligen Druckplatten übereinander druckten. So haben wir 150 originale Jamprints rausbekommen, neben den fünf Solodrucken. Danach wir haben angefangen die großen Druckplatten auseinander zu schneiden, um daraus ein Buch zu machen. Wir hatten vier mal jeweils eine Woche Zeit, in der wir zu fünft hier in der Werkstatt werkelten und wahnsinnig viel gedruckt, Spaß und lange Abende hatten. Das hat sehr gut funktioniert und war für uns alle ein großer kreativer Motor um Sachen auszuprobieren. Das hat uns so gut gefallen, dass wir jetzt das zweite Projekt angefangen.

Wer ist dabei?

Die beiden Pariser Künstler Edouard Wolton und Wernher Bouwens, Ronald de Bloeme aus Berlin, Christoph Ruckhäberle und ich.

Printjam-Projekt unter anderen von Thomas Siemon.
Ergebnisse aus dem ersten Printjam-Projekt wurden in Buchform überführt.
Ergebnisse aus dem ersten Printjam-Projekt wurden in Buchform überführt.

Was macht ihr mit den Ergebnissen?

Wir stellen sie aus und verkaufen sie auch. Unsere erste Ausstellung war hier im Archiv Massiv und es gab weitere in Dänemark und in Paris auf einer Kunstmesse.

Und die Einnahmen teilt ihr?

Das sammeln wir und kaufen davon wieder Material und Papier. Das Printjam läuft erstaunlich gut, wir haben das an Sammler verkauft. Es gibt eine Mappe mit Drucken, ein Jamprint und das Buch. Es ist ein Paket, aber man kann die Drucke auch einzeln kaufen. Durch Printjam bin ich auch selbst in eine neue künstlerische Richtung gekommen. Weg vom Text und von Büchern und mache mehr grafische Arbeiten. Es sind abstrakte Bilder.

Info

Thomas Siemon machte in Uelzen eine Buchhändlerlehre, studierte Visuelle Kommunikation in Kassel und betreibt seine Druckwerkstatt in Leipzig seit 2002.

Credits

Das Interview führte Petra Mattheis.
Fotos von regentaucher.com.

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