Ich mag die Mischung aus ehemaliger Industrie, dem Unfertigen und die Menschen.

Patrick Gülzow

Lesedauer: 5 Minuten

Nachdem Patrick Gülzow im Leipziger Osten seine Arbeit als Tischlermeister aufgenommen hat, befindet sich die Tischlerei nun in der Klingenstraße in Leipzig Plagwitz.

Wir haben ihn in den neuen Räumen besucht, in denen er in einer Werkstattgemeinschaft arbeitet. Dort entstehen handgefertigte Möbel aus Holz von heimischen Wäldern, neue Produkte aus gebrauchten Möbeln und nicht mehr benötigten Ausstattungsteilen und passgenaue Einzelstücke für den Innenausbau.

Unterteilt ist die Werkhalle in Maschinenraum und Werkraum. Eine Lagerhalle wurde gerade neu gebaut. Der gemütlichste Bereich ist aber ein Besprechungs- und Aufenthaltsbereich unter dem Dach.

Das Logo von »dieFabrik« in der Patrick Gülzow seine Tischlerei betreibt.
Treppenaufgang im Eingangsbereich der Tischlerei.
Direkt am Eingang führt eine Treppe hoch in den Aufenthaltsbereich.
Blick hinab vom Aufenthaltsbereich der Tischlerei.
Auch hier ist Holz das dominierende Material.
Das Büro und der Besprechungsbereich der Tischlerei.
Der vorhandene Platz wurde effizient genutzt. Um in den hinteren Teil zu gelangen ist ein „Knicks“ vor dem Querträger nötig. Ansonsten wird man in das Reich der Träume befördert.
Detailaufnahme eines bemalten Hakens.
Der reine Zweck steht selten im Vordergrund. Wenn man sich richtig umsieht, fallen immer wieder Details ins Auge.

War es schwierig einen Ort für deine Tischlerei zu finden, hast du dich auch in anderen Viertel umgeschaut?

In beiden Fällen nein. Oktober 2010 übernahm ich eine Tischlerei im Leipziger Osten und gründete deinTischler, zog aber ein Jahr später mit Sack und Pack in die Fabrik um. In der alten Werkstatt war es kalt und finster. So richtig Spaß an der Arbeit hatte man nur im Sommer. Jetzt, in der Fabrik, ist innerhalb von 10 Minuten der Ofen warm und dank der tollen Dachfenster gibt es Tageslicht satt. Das Arbeiten macht viel mehr Spaß.

Ein Blick in den Werkraum der Tischlerei in Leipzig Plagwitz.
Der Werkraum ist der zentrale Bereich der Halle. Durch die Tür gelangt man in den Maschinenraum.
Ein bunter Strauss an Lampen.
Wir sind uns nicht mehr sicher, ob diese Konstruktion funktionsfähig ist. Wir denken … eher nicht.
Eine alte Schranktür als Wanddekoration.
Auch eine Form des »Upcyclings«. Eine alte Schranktür hat einen neuen Daseinszweck gefunden.
Blick in den Werkraum der Schreinerei in Leipzig Plagwitz.
Ein Blick in den Werkraum der Tischlerei in Leipzig Plagwitz.
Stühle auf dem Speicher der Tischlerei.
Der Werkstattbereich der Tischlerei im Leipziger Stadtteil Plagwitz.
Die Tombox ist ein upcycelter Lautsprecher für MP3 Player.
Auch Pflanzen haben ihren Platz in der Tischlerei.

Fühlst du dich im Viertel gut aufgehoben?

Ja sehr, ich mag die Mischung aus ehemaliger Industrie, dem Unfertigen und die Menschen. Die Lage der Werkstatt ist optimal, ein Wohn- und Gewerbegebiet mit Platz. Hier kann man sich ausleben. Zu unseren Nachbarn zählen der Wagenplatz, ein Musikclub und verschiedene Kleinunternehmen.

Wir sind stetig am umbauen, machen es uns gemütlich und entwerfen zusammen neue Produkte.

Patrick Gülzow bei der Arbeit.
Patrick Gülzow bei der Arbeit.
Ein Blick in den Werkraum der Leipziger Tischlerei.
Detailaufnahme eines Schrankes.
Die Küche im Werkraum der Tischlerei.
Ein Blick in das Lager im Maschinenraum.
Detailaufnahme eines Schalters.
Blick in den Maschinenraum im hinteren Teil der Schreinerei.

Du nutzt den Raum nicht alleine. Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?

Ich habe 2009 auf der Designers Open meine ersten Recyclingmöbel ausgestellt und dort Stefan kennen gelernt. Stefan war frisch nach Leipzig gezogen. Er präsentierte Produkte von dieFabrik auf der Messe und suchte noch Leute für eine neue Werkstatt. Seine Vision war es, eine Werkstatt zu gründen, wo verschiedene Leute Dinge entwerfen und selbst umsetzen können.

Für mich klang dies nach einer Chance nicht allein in der Werkstatt zu stehen, sondern in einer Gemeinschaft unter einem Dach zusammen zu arbeiten. Es wurden mehrere Hallen ausgekundschaftet und ein halbes Jahr später wurden wir in der Klingenstraße fündig. Es gab viel zu tun und es vergingen knapp zwei Jahre bis alles zum Einzug fertig war. Im Herbst 2011 stand der Umzug an, 16 Tonnen schwere Holzbearbeitungsmaschinen, ein Holzlager und alles was man zum Arbeiten braucht musste mit. Seither sind wir stetig am umbauen, machen es uns gemütlich und entwerfen als dieFabrik zusammen neue Produkte. Meine Haupttätigkeit bleibt das bauen von Möbeln.

Detailaufnahme einer Teilnehmerliste.
Eine Liste aller bisherigen Teilnehmner, die eine Schranktür individuell bemalt oder bearbeitet haben.
Bemalte Schranktüren in der Plagwitzer Schreinerei.
Ein Teil der ursprünglich okerfarbenen Schranktüren hat bereits eine neue Optik erhalten.
Schranktüren in der Leipziger Schreinerei.
Detailaufnahme einer Schranktür, die minimalistisch bearbeitet wurde.

Wie beginnen deine Arbeitstage?

Wir treffen uns um 8:00 Uhr in der Werkstatt, schlürfen entspannt einen Espresso und besprechen dabei den Tagesablauf, dann geht es an die Arbeit.

Wie sieht dieFabrik, wie sieht das Viertel in fünf Jahren aus?

An der Fabrik wird immer gebaut, nur langsam kommen wir räumlich an unsere Grenzen und Anbauten sind leider nicht mehr möglich. Schade, denn es macht viel Spaß seine eigenen Ideen am Gebäude umzusetzen. Dafür gestalten wir im nächsten Jahr den Garten und die Einfahrt etwas um, pflanzen Gemüse und Blumen an. In unserer Nachbarschaft wird sich wohl baulich nicht sehr viel tun, außer vielleicht gegenüber bei der ehemaligen Chemiefabrik „Caripol“. Dort sollen eventuell wieder einmal Loftwohnungen entstehen, was wir allerdings bedauerlich finden würden.

Ein Entsorgungstrupp hat zumindest letztes Jahr wochenlang einen Container nach dem anderen vom Gelände abgefahren. Direkt neben unserer Werkstatt ist dieses Jahr ein Radweg entstanden, der eine Zufahrt zum neuen Plagwitzer Stadtpark ist. Wir sind gespannt, was hier baulich noch so entsteht, wie der neue Park auf dem alten Güterbahnhofsgelände umgesetzt wird und wie die Bürger ihn annehmen und nutzen werden.

Bei dem Hype um Plagwitz wird der bezahlbare Raum langsam knapp, aber dafür schließen sich Menschen zusammen und setzen eigene Hausprojekte um.

Ein alter Lautsprecher wurde zur Musikanlage umfunktioniert.
Alte Lautsprechern werden zu Musikanlagen umgebaut, an die Mp3-Player angeschlossen werden können.
Blick in den hinteren Teil des Maschinenraums.
Ausrangierte Schubladen warten auf ein neues Dasein.
Detailaufnahme einer Werkbank in der Schreinerei.
Rohling für den Druck.
Detailaufnahme eines Notizzettels auf dem ein Bleistift liegt.
Gruppenfoto vor der Schreinerei in Leipzig Plagwitz.
Wir konnten die Werkstattgemeinschaft zu einem Gruppenfoto überreden.
Eine Holzfigur begrüßt die Gäste am Hoftor.
Am Hoftor wird man gleich freundlich begrüßt.

Hat sich das Viertel deiner Meinung nach schon verändert?

Ich arbeite hier erst seit drei Jahren. Eine große Veränderung kann ich nicht feststellen, aber für Leute die das Viertel von früher kennen hat sich bestimmt viel getan. Bei dem Hype um Plagwitz wird der bezahlbare Raum jedenfalls langsam knapp, aber dafür schließen sich Menschen zusammen und setzen eigene Hausprojekte um. So bleibt das Viertel bunt und wird zum Teil von aufwendig sanierten Häusern verschont, deren neue Mieter das Stadtbild in meinen Augen nicht bereichern.

Wer sind wir? Und was ist der Wunderwesten?