Ich arbeite Tag und Nacht und sogar im Schlaf.

Helge Hommes

Lesedauer: 4 Minuten

Helge Hommes suchte in früheren künstlerischen Arbeiten die Nähe zur Natur, vor allem zum Wald und den Bäumen. Zuletzt haben seine Arbeiten eine politische Komponente bekommen, die in einem Manifest gipfelte.

Wir besuchten Helge in seinem Atelier und sprachen über Städte, die Kunst und Gesellschaft … und natürlich Fußball.

Du hast ein Atelier in Aachen, wie kam es dazu, dass du nun zeitweise auch in einem Atelier in Leipzig arbeitest?

Als alter Rheinländer, fast Kölner, … aus der Stadt mit dem Doppel (A), ganz nah bei der Stadt am Rin, kommend, bemerkte ich seit Jahren einen Drang nach Berlin zu gehen. Damals als ich 20 war hätte ich mal nach Berlin gehen sollen, … so blieb das Gefühl über Jahre schlummernd, immer mal wieder in meinem Kopf anklopfend, in mir.

Vor drei Jahren … auf dem Weg nach Berlin, um ein zweites Atelier zu finden, lernte ich Esther N. und Caro M. kennen, die Queens der Galerie Queen Anne. Sie machten mir Leipzig schmackhaft und lockten mich in diese Stadt. Nun bin ich da, fühle mich wohl, … aber es zieht mich immer noch nach Berlin. Das Pendeln zwischen den beiden Ateliers – Aachen und Leipzig soll kein Zustand auf Dauer werden. In den kommenden zwei Jahren werde ich alles zusammen an einen Ort bringen. Vielleicht ist es Leipzig, vielleicht aber doch auch Berlin.

Die Möglichkeit des improvisierten Lebens, auch ein Markenzeichen neben der hochgelobten Malerei, hat mich schon sehr stark nach Leipzig gezogen.

Helge Hommes beobachtet auf Stapeln seines Manifestes sitzend das gerade entzündete Feuer.
Verpackte Schachteln des Manifests im Hintergrund, während davor Helge Hommes Füße zu sehen sind.
Eine Hand – das Erkennungszeichen des Manifests – ist auf einem Karton zu sehen.

Leipzig ist Heimat. Leipzig ist Vielfalt, Dynamik und Energie. Leipzig ist Aufbau und Aufbruch. Leipzig ist Wasser. Und man hat das Gefühl, dass in Leipzig der Geist der friedlichen November-Revolution 1989 mit dem Gedanken, etwas gemeinsam zu bewegen, immer noch mitschwingt. Und an der Stelle sage ich einfach mal: Eine wunderbare Empfindung, dabei zu sein!.

Blick auf den zentralen Bereich des Ateliers, mit Sitzecke im Hintergrund.
Im hinteren Teil des Ateliers befindet sich auch eine Lagermöglichkeit für Material oder fertige Arbeiten.
Ein Bogen aus Verpackungsmaterial verbindet den vorderen- und hinteren Teil des Ateliers.
An der Wand hängt eine etwas ältere Arbeit, links kann man die Öffnung zur Stellage erkennen.
Eine Zeichnung von Helge Hommes ist an einer Wand des Ateliers in der Baumwollspinnerei Leipzig aufgehängt.

Beschreibe doch bitte, wie dein Tag als Künstler beginnt? Gibt es Dinge, die du jeden Tag tust, bevor du anfängst zu arbeiten?

Weißt du, ich denke oft morgens wenn ich mir den ersten Kaffee mache – das ist so gegen neun Uhr – dass ich es tatsächlich geschafft habe mein Leben sehr autonom zu gestalten. Es fängt da schon mit dem Fokus auf die Zeit an. Ich stehe auf wenn ich wach werde, einen Wecker gibt es nicht!

Ich genieße es, dann langsam in den Tag zu gleiten, der Compi wird angemacht, Kicker-online … die neusten Nachrichten aus dem Bereich Fussball – besonders der Borussia aus Dortmund schenke ich meine ersten Minuten am für mich noch frühen Morgen (wir nähern uns dann 10 Uhr). Fussball eine Leidenschaft die mich seit der Kindheit fesselt.

Denkst Du die Gedanken sind frei?
Ein Blumenstrauss aus bemalter Kartonage.
Eine Plastikfigur eines Elches hat sich mit seinem Geweih in eine Mausefalle verirrt.
Spiegel mit der Aufschrift Sexy, sexy, Mexik, darüber ein Selbstportrait von Helge Hommes.

Dann folgen die üblichen Checks. E-Mails … die FAZ … die ZEIT … Spiegel-online. So kreuz und quer sich ein wenig über alles informieren und meistens ärgern (tja, vielleicht sollte ich da mal was ändern). Dann klopft es meistens an der Tür (in Aachen). Es ist Olli, mein Künstlerfreund. Eine Stunde über das Leben nachdenken, sich austauschen,reden, meckern, lachen. Unsere philosopische Stunde, fast täglich.

In Leipzig klopft es nicht an der Tür, wir treffen uns in der Küche, der Atelier-WG. Früher, als ich nur malte, war es dann tatsächlich so, dass ich dann fast jeden Tag mit der Malerei startete. Heute ist das etwas anders. Durch die Erkenntnis: Leben = Kunst + Kunst = Leben hat sich einiges geändert. Ich verstehe mein Leben komplett als künstlerischen Prozess. Künstlerisch heißt für mich, sich selbst-bewusst gestalten, sich als soziales Wesen gestalten, sich als Mensch gestalten, sich zum Souverän gestalten … und dieses auch noch in Form bringen, zum Ausdruck bringen.

Ich brauche diese Lebensform, um entsprechende Antworten zu finden. Die Leute sagen dann Kunst dazu.

Ein Objekt mit der Aufschrift -Ich-.
Das Buch, das Drama des begabten Kindes von Alice Miller.
Eine kleinformatige Arbeit von Helge Hommes.
Detailansicht eine Malerei von Helge Hommes.

Somit verstehe ich mich als Person, die nicht mehr zwischen Arbeit und Nichtarbeit differenziert. Um den Ball flach zu halten, man kann schon sagen, dass ich in den späten Nachmittags- und Abend- und Nachtstunden am kreativsten bin.

Ja … ich arbeite Tag und Nacht und sogar im Schlaf. Ich bin superglücklich damit und kann mir ein anders Leben nicht mehr vorstellen. Mit dem Begriff Arbeit wie ihn die Gesellschaft versteht habe ich nix am Hut.

Ich brauche schon diese Lebensform um die Möglichkeit zu haben, auf diese beschissenen Gesellschaftslebensformen und Abläufigkeiten, auf unserem echt lebenswerten Planeten, entsprechende Antworten zu finden. Die Leute sagen dann Kunst dazu.

Münzen bzw. Heiligenbilder an eine Wand genagelt.
Ein Stuhl mit der Aufschrift Fürchte dich nicht.
Eine Treppe führt in den oberen Teil.
Eine Treppe führt in den oberen Teil. Das Atelier auf der Spinnerei ist sowohl Arbeits- wie auch Wohnstätte.
Blick in das Atelier von Helge Hommes.
Vom Atelier aus sieht man auf zentralen Teil der Spinnerei, auf der sich zahlreiche Galerien befinden.

Du hast Ateliers in Aachen und Leipzig. Unterscheidet sich die Art, wie du arbeitest? Entstehen unterschiedliche Arbeiten?

Es ergeben sich keine unterschiedlichen Arbeiten in den zwei Ateliers. Ich male nicht hier so und dort so. Ich arbeite an meiner Selbstgestaltung und gebe dieser bestmöglich Ausdruck, egal an welchem Ort. Zuletzt in unserer geliebten Spinnerei, in der Galerie Queen Anne, mit der Geburt meiner neuen Form, dem Manifest Helge macht Feuer.

Wer sind wir? Und was ist der Wunderwesten?