Wie das Wandern ist das Zeichnen eine kleine Reise.

Eva Walker

Lesedauer: 5 Minuten

Eva Walker kam im Jahr 2006 nach Leipzig. Im Sommer 2014 wird sie ihr Studium an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in der Klasse von Prof. Annette Schröter mit dem Diplom beenden.

Bis zum Herbst 2012 hatte sie ihr Atelier in der Erich-Zeigner-Allee. Nachdem ihr, wie auch allen anderen 80 Künstlern dort gekündigt wurde, musste sie sich nach einem neuen Raum umsehen. Wir haben sie in Ihrem neuen Atelier besucht und mit ihr über die damalige Situation des Umzugs, die aufgekündigte Gemeinschaft des Atelierhauses und über ihre Arbeit gesprochen.

Ein winterlich kahler Baum vor dem Atelier in der Naumburger Strasse in Leipzig Plagwitz.
Eva Walker vor einem Fenster in ihrem Atlier in Leipzig Plagwitz

Wie bist du eigentlich in das Atelierhaus in der Erich-Zeigner-Allee gekommen?

Ich kam aus Niedersachsen, habe eine Wohnung und zeitgleich nach einem Atelier gesucht. Eine Bekannte nahm mich mit in die Erich-Zeigner-Allee, es gab dort damals noch viele freie Räume.

Weißt du wozu das Gebäude urspünglich diente, bevor es an Künstler vermietet wurde?

Wie die Baumwollspinnerei war es früher auch eine Spinnerei und die Atelierräume waren im ehemaligen Verwaltungstrakt. Lustigerweise bin ich jetzt hier, in diesem Gebäude wieder in einem Verwaltungstrakt, diesmal allerdings einer ehemaligen Maschinenbaufabrik.

In der Erich-Zeigner-Allee habe ich in einem Doppelatelier gearbeitet, es war eine richtig gute Zeit! Unter den etwa 80 Künstlern dort waren auch Freunde und Kollegen. Wir trafen uns regelmäßig, sprachen über unsere Arbeiten, haben aber auch zusammen zu Mittag gegessen, Kaffee getrunken und Partys gefeiert. Wir haben uns gegenseitig unterstützt, uns Tipps für Förderungen, Stipendien und Ausstellungen gegeben.

Eva Walker zeichnet an ihrem Schreibtisch.
Eva Walker während der Anfertigung einer Zeichnung in ihrem Atelier in Leipzig Plagwitz.
Stifte, Papier und eine Schere auf einem Schreibtisch.

Waren das vorwiegend Leute von der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB)?

Da muss ich mal kurz überlegen. Ja doch, es waren überwiegend Leute von der HGB, vielleicht auch ein paar andere.

Wie war das, als ihr die Kündigung Ende 2012 bekommen habt?

Ach, da war ich erst einmal total unglücklich. Ich war ja sechs Jahre dort. Ich mochte diese gewachsene Infrastruktur sehr, das traf alle hart. Die Preise waren super! Es war für jeden erschwinglich, ein eigener Raum für wenig Geld. Das Atelierhaus lag außerdem sehr zentral. 80 Leute mussten nun auf einen Schlag neue Räume suchen. Nicht mehr sicher zu wissen, wo ich weiterhin arbeiten kann, hat mich unruhig gemacht. Ich habe mich wieder nach einem neuen Raum umgesehen, habe unter Bekannten rumgefragt, mir ganz viele Angebote angeschaut und bin dann schließlich hier gelandet.

Eva Walker gestikuliert mit ihren Händen.
Eva Walker gestikuliert mit ihren Händen.
Eva Walker gestikuliert mit ihren Händen.
Eva Walker gestikuliert mit ihren Händen.

Was war eigentlich der Kündigungsgrund?

Wir wurden gekündigt, weil der Brandschutz nicht genügte.

Gab es eine gemeinsame Initiative zusammen neue Räume zu suchen?

Ja, es wurde versucht ein neues Atelierhaus für alle zu finden. Anfangs sah es auch so aus, als könnte es gelingen. Allerdings hat sich dieses Vorhaben als sehr schwierig und langwierig herausgestellt. Es wird immer schwerer, hier bezahlbaren Atelierraum zu finden. Die meisten von uns sind nun in verschiedenen Ecken der Stadt verteilt. Einige sind sehr weit raus gezogen. Es gibt, soweit ich weiß nur kleine Gruppen, die gemeinsam etwas gefunden haben. Das entspricht aber nicht mehr der Größe des Atelierhauses in der Erich-Zeigner-Allee.

Für mich war es wichtig, dass sich das Atelier in meine Alltagswege integrieren lässt, so dass ich nicht zu viel Zeit auf Wegen verliere.

Das ehemalige Verwaltungshaus hier ist eigentlich ein Bürohaus. Bist Du die einzige Künstlerin in dem Haus?

Außer mir gibt es hier noch einen anderen Künstler. Es ist also kein Künstlerhaus, aber für mich war es vor allem wichtig, dass sich das Atelier in meine Alltagswege integrieren lässt, so dass ich nicht zu viel Zeit auf den Wegen verliere. Am Anfang war ich auch skeptisch, wie es wohl sein wird ohne die Ateliergemeinschaft. Ich war ja daran gewöhnt, im Austausch zu sein und mit vielen Leuten zu sprechen. Das war eine Umstellung, aber im Moment fehlt mir die Gemeinschaft vor Ort nicht. Ich habe allerdings auch sonst sehr viel Kontakt mit anderen Leuten.

Wenn ich in einer Arbeitspause mit Menschen sprechen möchte, gehe ich auf die Karl-Heine-Straße. Die ist nicht weit und es ist einfach, dort einen Bekannten oder Freund auch ohne Verabredung zu treffen. Daran merke ich, dass ich mittlerweile schon lange in Leipzig bin.

Raumansicht des Ateliers von Eva Walker in Leipzig Plagwitz.
Eine großformatige Zeichnung von Eva Walker

Wie wichtig ist der Standort für dich?

Da ich ja alles mit dem Fahrrad mache, war es mein Ziel, dass das Atelier von meiner Wohnung aus in einer Viertelstunde erreichbar ist. Das ist einfach wichtig, damit ich schnell im Atelier bin. Ich habe Glück gehabt. Die Lage hier ist gut und einen sehr schönen weiten Blick aus dem Fenster habe ich auch. Ich kann die Uhrzeit auf der Phillipuskirche ablesen. Mein Arbeitsmaterial kann ich in der Nähe bei der alten Baumwollspinnerei besorgen und es gibt, wie gesagt, in der Nähe ein paar Bistros und Cafés. Die Gegend ist mir nach den vielen Jahren vertraut und ich fühle mich hier sehr wohl.

Was treibt dich künstlerisch gerade um?

Im Moment beschäftige ich mich mit medizinischem Bildmaterial. Kaum eine Wissenschaft kommt heute ohne Bilder aus. Und auch die Medizin gehört zu den Wissenschaften, die Erkenntnisse über Bilder sammelt und sie zur Wissensvermittlung einsetzt. Mich interessiert der Einfluss der medizinischen Denkgemeinschaft auf die Produktion und Rezeption dieser Bilder und die Frage danach, wie unvoreingenommen wir beobachten.

In meinen Zeichnungen arbeite ich mit dem, was ich auf medizinischen Bildern wahrnehme. Mein Blick ist ungeschult. Die Frage ist aber, ob er deswegen auch unvoreingenommen ist und wo die Grenzen für einen Perspektivenwechsel liegen.

Glasflaschen und Stifte in einem Regal in Eva Walkers Atelier in Leipzig Plagwitz.
Seit dem letzten Sommer arbeitet Eva Walker mit Filzstiftmarkern.
Eine großformatige Zeichnung von Eva Walker
Eine Collage, die in Zusammenarbeit mit dem französischen Künstler Jérémie Paul entstand.
Ein altes Foto auf dem zwei Mädchen zu sehen sind, auf Schafen über eine Wiese reiten.
Wer von uns hat früher nicht Schafwettreiten mit seinen besten Freunden gemacht?

Zeichnen ist mein Alltag. Es ist für mich vergleichbar mit dem Wandern, was ich eher im Urlaub und in der Freizeit mache. Das Tempo beim Wandern ist langsam. Man entdeckt ganz viele kleine Dinge auf dem Weg und man hat Ruhe dabei. Die Aussicht ist schließlich das Ziel, das man sich erarbeitet hat. Wie das Wandern ist das Zeichnen eine kleine Reise, mit vielen Entdeckungen und Entscheidungen auf dem Weg.

Ich arbeite gerne auf Papier. Es wellt sich oder die Oberfläche reißt auf. Papier hat eine Leichtigkeit und Eigenständigkeit, die mir gefällt. Es ist kein so starres Medium, wie zum Beispiel eine Leinwand. Durch die intensive Bearbeitung des Materials kommt es mitunter zu ganz interessanten Fehlerstellen.

Eva Walker.

Warum hängt an Deiner Ateliertür ein Poster, das Kinder zeigt, die auf Schafen reiten?

(Lacht). Das Bild hat eine starke positive Energie. Es ist voller Lebenslust und macht mir gute Laune; wenn ich hier ankomme und wenn ich wieder gehe.

Wer sind wir? Und was ist der Wunderwesten?