Dieser Garten ist mein Tempel.

Steffi Geschewski

Lesedauer: 13 Minuten

Steffi Geschewski lebt im Osten von Leipzig und kommt zum Arbeiten nach Plagwitz.

Seit 2013 hat sie einen Kleingarten in Lindenau, den sie mit ihrer Mutter pflegt. Nach einem turbulenten Tag freut sie sich unbändig darauf, einfach nur ihre Hände in die Erde zu stecken. Sie sagt, schon als Kind sei sie ein Erdnuckel gewesen.

Blühende Blumen im Kleingarten von Steffi Geschewski.
Steffi ist selbst überrascht, wie viel man in einem Jahr schaffen kann, und wie viele Blumen diesen Sommer herrlich blühen.
Blühende Blumen im Kleingarten von Steffi Geschewski.
Blühende Blumen im Kleingarten von Steffi Geschewski.

Wie kamst du nach Leipzig?

Da muss ich jetzt ein wenig graben. Ich habe meinem Bruder beim Umzug geholfen, als er 1998 nach Leipzig gezogen ist. Als ich dann mal wieder nach Leipzig gefahren bin, habe ich mich schlagartig in die Stadt verliebt. Ich bin Berlinerin und Großstadtkind, aber nach der Wende zogen wir in eine dörfliche Gegend in der Nähe von Frankfurt. Als ich nach Leipzig kam ist mir klargeworden, dass ich wieder in der Stadt leben möchte. So kam ich hier nach Lindenau, das damals noch richtig räudig war und habe eine Ausbildung begonnen.

Möchtest Du langfristig in Leipzig bleiben?

Ich bin zwar Stadtkind, aber ich merke, dass es mich rauszieht in die Natur. Ich mag auch den Trubel. Aber Leipzig wird gerade sehr unruhig. Das kann ja ein schönes Mulit-Kulti-Flair haben, aber mittlerweile merke ich, dass ich mir eigene Nischen suche, in denen ich möglichst wenig Menschen treffe. Bei Regen gehe ich in den Park, ist das Wetter gut, dann fahre ich an den entferntesten See.

Meine Freundin hat irgendwelche Kiesgruben bei Google entdeckt, da fahren wir dann hin. Die sind auch noch in Betrieb, aber Umländer gehen da trotzdem heimlich baden. Ganz toll, blaues Wasser. Es gibt noch immer viele Nischen, deshalb bin ich auch noch in Leipzig verwurzelt. Aber mich zieht es schon raus in die Natur. Das liegt auch an meinem Job. Du quatscht den ganzen Tag, du musst immer freundlich sein, hast zig Leute um dich herum, und wenn ich dann nach Hause komme, dann will ich am liebsten nur Grün um mich haben und die Finger in die Erde stecken.

Ich habe eine Wohnung gesucht in einem Stadteil, der nicht so populär war. Jetzt wohne ich im Osten und ich bekomme zu hören, dass der Osten jetzt auch in wird.

Steffi Geschewski in ihrem Kleingarten in Leipzig Lindenau.
Ein unersätzlicher Partner im Garten: der Spaten.

In welchem Stadtteil hattest du deine erste Wohnung?

Im Osten. Das war in einer Parallelstraße des Lene-Voigt-Parks, den es damals aber noch nicht gab. Die Fläche war damals eine umzäunte Müllhalde, da gab es nur diese riesigen Heizungsversorgungsrohre und Müll. Als ich neue Leute kennenlernte, bin ich in die Südvorstadt gezogen.

Und warum bist du dann aus der Südvorstadt weggezogen?

Weil es mir einfach zu voll wurde. Das ist ja jetzt auch nur mein subjektives Empfinden. Wenn man den Trubel sucht, dann ist das auch in Ordnung. Aber auf die Straße zu gehen und dann fast jeden zu kennen, hat sich nicht richtig angefühlt. Ich bin auch gerne mal ein Einzelgänger und Sich-Eingraber. Mein Freund ist zum Glück auch so. Und das ging dann auf der Karli nicht mehr. Es war ja alles so in.

Was war dann das Hauptkriterium für deine Wohnungssuche? Abgeschiedenheit?

Ich habe eine Wohnung gesucht in einem Stadteil, der nicht so populär war. Jetzt wohne ich im Osten und ich bekomme zu hören, dass der Osten jetzt auch in wird. Gut, die Südvorstadt ist vorbei, Schleußig ist voll, Plagwitz ist ausgesaugt, Lindenau kommt. Nach Gohlis will keiner, was bleibt da schon außer dem Osten. Bei uns wird jetzt wie verrückt gebaut. Alles was bis dato noch oll und leer war, ist nun auch eingerüstet und wird saniert.

Du hast deinen Kleingarten schon erwähnt. Du hattest mir erzählt, dass du ihn mit deiner Mutter zusammen pflegst. Wie funktioniert das?

Das klappt super. Als ich 1999 nach Leipzig zog, da waren meine Eltern noch als Physiotherapeuten in Frankfurt tätig. Ich bin ein Familienmensch, und das war schon eine große Entfernung. Als meine Eltern ins Rentenalter kamen, habe ich als Idee in den Raum geworfen, ob sie sich vorstellen könnten nach Leipzig zu ziehen. Ich werde die nächsten zehn Jahre auch sicher noch in Leipzig verbringen. Ich stehe total auf die sächsische Schnauze. Ich habe einen guten Draht zu meiner Mutter, ich kann auch offen und ehrlich sagen, wenn es mir mal zu viel ist.

Es gab so viele Leute, die ihre Hilfe angeboten haben und mir ihre Karte gegeben haben.

Ein Hund des Nachbarn sitzt angeleint im Kleingarten.
Ein Nachbar kam zu Besuch, sein Hund nutzt das letzte Quentchen der Leine, um auch möglichst weit in den Garten zu kommen.
Beeren drücken sich durch den Holzzaun des Kleingartens.
Auf die Beeren hatte es der Nachbarshund sicherlich nicht abgesehen. Wir allerdings kommen gern wieder, sobald diese reif sind.

Wie findet man einen Kleingarten? Wie entscheidet man, welcher Verein der richtige ist?

Das ist eine gute Frage, das ist am Ende das Bauchgefühl gewesen. Wir waren ein bisschen ortsgebunden, damit meine Mutter nicht so weit gehen muss. Deshalb haben wir in Lindenau gesucht. Man spricht ja immer zuerst mit dem Vereinsvorsitzenden und manchmal passt das dann rein menschlich nicht.

Ich dachte man wendet sich an den Vorbesitzer?

Nein, du schaust ob ein Kleingarten frei ist, gehst in das Vereinshaus und da sitzt dann der Vorsitzende. Bei manchen hast du gemerkt, dass die mit dem Geld mauscheln und höhere Preise für ein Grundstück aufrufen. Und dort, wo wir jetzt gelandet sind, haben sie sich super verhalten und sind uns sehr entgegengekommen. Der Vorbesitzer hat sehr viel Dreck hinterlassen, den sie auf ihre Kosten entsorgt haben. Sie haben uns auch einen guten Preis für den Garten gemacht.

Mich schrecken ja am Kleingarten die ganzen Regeln ab? Ist das berechtigt?

Ich kenne das von Freunden, die in der Südvorstadt oder in Plagwitz einen Garten haben. Da wird teilweise schon sehr genau geschaut ob die Hecke die richtige Höhe hat. Bei uns sind sie selig, wenn man etwas mit dem Grundstück macht und es pflegt. Bislang hatte ich noch nicht das Gefühl, dass jemand komisch guckt, weil ich einen Naturzaun habe oder weil die Hecke noch nicht geschnitten ist. Es gab so viele Leute, die ihre Hilfe angeboten haben und mir ihre Karte gegeben haben. Bislang bin ich sehr positiv überrascht.

Was meinst du, woher kommt es, dass die Gartenwege so schnurgrade parallel zur Grundstücksgrenze verlaufen?

Weil wir in Deutschland sind. Es gibt Einteilungen, Kategorien und Verordnungen. Es ist geregelt, wie groß die Fläche zum Anbau sein darf, wie groß die Nutzfläche sein sollte, wie groß der Anteil an Rasenfläche sein sollte. Ich glaube daher rührt dieses Ausrichten an rechten Winkeln. Man weiß dann genau, welche Fläche für was genutzt werden darf.

Was es zu Ostzeiten immer gab, das war Beton. Das habe ich dann auch gemerkt, als ich eben diesen schnurgraden betonierten Weg herausgerissen habe. Auch die Randsteine und Betonplatten gab es immer. Das ist alles richtig fest einbetoniert gewesen, auch die Randsteine, damit die sich bloss nicht verbiegen und auch schön 100 Jahre halten.

Am Anfang dachte ich, ich nehme einfach die Steine raus und dann legen wir einen schönen geschwungenen Weg durch den Garten.

Sonnenblumen im Kleingarten von Steffi Geschewski in Leipzig Lindenau.
Sonnenblumen im Kleingarten von Steffi Geschewski in Leipzig Lindenau.
Auch die Sonnenblumen sind schier explodiert und strahlen um die Wette.

Wie viele Meter hast du in deinem ersten Jahr herausgerissen? 20 Meter? Wie lange dauerte das?

Ich habe jeden Urlaub dafür verwendet. Und weil das Zeug so schwer war, habe ich auch oft die Hilfe von Freunden in Anspruch genommen. So waren es Wochenendaktionen, über drei bis vier Monate hinweg. Am Anfang dachte ich, ich nehme einfach die Steine raus und dann legen wir einen schönen geschwungenen Weg durch den Garten. Und als ich anfing zu buddeln, da hörte und hörte das nicht auf. Ich hatte schon eine tiefe Kuhle gegraben bis ich feststellte, dass dies nur der Randstein war. Darunter war dann noch einmal genauso viel an Beton. Mich haben zwar alle für bekloppt gehalten, aber es hätte mich sonst immer gestört. Nichts in der Natur wächst gerade.

Nachdem ein großer Teil der schweren Arbeit gemacht ist und du mit dem Pflanzen begonnen hast, gibt es da schon Tiere, die den Garten bedrohen?

Ja, Schnecken.

Da sind wir ja gleich beim heißen Thema, was ist dein bestes Gegenmittel?

Aufsammeln.

Und was machst du dann mit denen?

Sag es ruhig? Leckeren Eintopf?

Hmm… Wir haben einen von diesen Eimern in der praktischen Gastronomiegröße, in denen einmal Mayonnaise aufbewahrt wurde. Dort kommen sie hinein und sterben dann irgendwann.

Hoffentlich.

Ja. Mir tut das auch leid.

Hinter Sonneblumen lagern herausgerissene Bodenplatten, die vom Vorbesitzer verlegt wurden.
Hinter Sonnenblumen, Kapuzinerkresse und Gemeinem Lein sieht man die herausgerissenen Platten des schnurgraden Betonwegs.
Steffi Geschewski sitzt vor ihrer Kleingartenhütte.
In ein paar Jahren wird die Hütte neue Fenster brauchen. Zu tun gibt es daher immer etwas.

Mein Vater schneidet sie in zwei Hälften.

Der Vater einer Freundin hat das neulich am Kaffeetisch erzählt. Mir ist der Kuchen aus dem Mund gefallen. Dann lieber in den Eimer und nicht mehr hingucken. Das ist auch ein Zwiespalt mit meiner Mutter. Ich möchte einen naturbelassenen Garten. Sie schlägt vor Blaukorn zu streuen. Natürlich weiß ich nicht, was da in den letzten 30 oder 40 Jahren alles gestreut wurde, aber jetzt soll es so naturbelassen wie möglich sein. Ich möchte nicht ein blaues Korn auf dem Grundstück haben. Jetzt nach einem Jahr stimmen wir uns langsam ab, was ich mit naturbelassen meine. Wenn da mal was wächst, was nicht sofort zu identifizieren ist, dann wollte meine Mutti das immer gleich ausreissen. Jetzt lassen wir das erst einmal wachsen. Wenn es dann nicht stört, dann darf es auch zwischen dem Gemüse wachsen.

Du arbeitest ja in der Kostbar, dem Bioladen auf der Karl-Heine-Straße. Wirkt sich das auf den Garten aus?

Das ist mein großes Bestreben. Alles, was ich bislang in den Garten eingepflanzt habe, sind zum großen Teil alte Stauden- und Blumenarten, die ich über eine Freundin bekommen habe. Anschließend habe ich noch Demetersamen und Samenfest gepflanzt. Das ist mir ganz wichtig, damit ich mit diesen Produkten dann auch weiterarbeiten kann. Jetzt nach einem Jahr weiß ich ganz gut was der Boden hergibt und wo es Defizite gibt.

Tomaten wachsen in Steffi Geschewskis Kleingarten in Leipzig Lindenau.
Die Tomaten sind am Start. Auch wenn die sibirische Birne noch recht grün ist.
Erdbeeren wachsen in Steffi Geschewskis Kleingarten in Leipzig Lindenau.
Auch die Erdbeeren werden sicherlich prächtig.

Was sind denn deine Lieblingspflanzen, lieber zum Gucken oder zum Essen?

Das ist ja eine gemeine Frage. Vermutlich lieber zum Angucken. Wobei ich lange Zeit mit Leib und Seele Köchin war. Letztes Wochenende haben wir gegrillt, und wir haben ein fettes Omelette auf dem Grill zubereitet. Mit frischem Mangold und Erbsen aus dem Garten. Für die Seele ist das Anschauen aber auch wichtig. Aber das kann ja auch der Kirschbaum sein, der gerade blüht.

Wovon kann ein Garten nicht genug haben?

Besucher. Leute, die kommen und sich das angucken. Es genügt ja schon, wenn sie vorbeigehen und der Garten sie erfreut. Mir geht es ja genauso. Schau dir mal die tolle alte Kirsche an oder den tollen Aprikosenbaum.

Und worauf könnte man in einem Garten verzichten?

Auf Schnecken. Meine Mutter würde vielleicht auch Unkraut sagen. Aber man gärtnert ja auch, um etwas zu tun zu haben.

Wenn du Richtung Garten aufbrichst, worauf freust du dich am meisten?

Auf das Gartentor, das ich zumachen kann.

Du hast den Garten nun ein gutes Jahr. Gibt es etwas, wozu du noch nicht gekommen bist, was du aber unbedingt machen möchtest?

Mein Gewächshaus. Das ist der ganz große Traum, weil du darin in Ruhe experimentieren kannst. In der freien Natur geht das ja nicht. Unter diesen leicht tropischen Bedingungen kannst du dann ganz viele andere Sachen ziehen. Zum Beispiel Auberginen, das geht nur mit Gewächshaus. Aber ich muss erst noch ein bisschen Geld sammeln.

Wieviel Geld darf dein Garten kosten?

Ist auch schwierig zu sagen. Durch Pacht und Ablösesumme fängt man ja mit einer großen Nummer an. Das waren bestimmt knapp 2000 Euro. Und es steht jetzt noch so viel an, denn Fenster für das Haus brauchen wir auch. Ich denke zwischen 500 und 1000 Euro gibt man im Jahr für den Garten aus. Es dauert noch ein paar Jahre, bis ich nur noch die Samen auswerfe.

Links wie rechts habe ich zwei wunderbare Originale. Am Wochenende haben die sich mit dem Gartenschlauch nassgespritzt.

Das ist ja auch nicht das Ziel?

Nein, wir wollen ja immer was zu tun haben.

Hat euer Garten einen Namen?

Nee. Aber das ist eine gute Idee.

Wie skurril sind die Nachbarn?

Sächsisch skurril. Links wie rechts habe ich zwei wunderbare Originale, die ihren Garten auch schon lange besitzen. Bei denen ist alles gerade ausgerichtet und es gibt viel Beton. Und jetzt kommen sie auch mal mit meinem Ansatz in Berührung. Es gibt ein altes Ehepaar, die sind großartig. Die gehen echt süß miteinander um. Ich plaudere jetzt mal aus dem Nähkästchen, die haben sich am Wochenende mit dem Gartenschlauch nassgespritzt.

Paprika wachsen in Steffis Kleingarten in Leipzig Lindenau.
Gewürzpaprika, nach dem Ernten hängt Steffi sie zum Trocknen ins Häuschen.
Später mahlt sie die getrockneten Schotten zu Paprikapulver.
In ein paar Jahren wird die Hütte neue Fenster brauchen. Zu tun gibt es daher immer etwas.

Was heißt bei dir alt?

Die sind locker 70. Ich sass unter meinem Sonnenschirm und ich wußte gar nicht mehr, wo ich noch hinhören soll. Die waren so niedlich, so möchte ich bitte sein, wenn ich alt bin. Großartig. Wir helfen uns auch gegenseitig. Man redet da natürlich auch viel über das Wetter, aber ich bin ja auch nicht auf der Suche nach tiefen Gesprächen.

Passieren Dinge, die du vorher so nicht erwartet hättest?

Was ich nicht erwartet habe, dass der Drang in der Garten zu gehen so stark ist. Damit habe ich nicht gerechnet. Ich wollte mir zwar Nischen schaffen, aber dass ich jede freie Minute dort hingehe, damit habe ich nicht gerechnet. Ich muss einfach wissen was gewachsen ist, was blüht, was sich verändert hat. Es zieht mich stark in seinen Bann, damit habe ich nicht gerechnet. Es hätte ja auch sein können, dass mich das nach einem halben Jahr schon abtörnt. Dass meine Mutti dann dort alleine sitzt. Aber nein, es wird immer schlimmer.

Wo liegt dein Gartenerlebnis: Zerstreuung oder Meditationsersatz?

Kein Oder. Das muss ein und sein.

Naturerleben oder Naturersatz?

Naturerleben.

Bodenhaftung oder Träumerei?

Kann ich auch nicht voneinander trennen, wenn ich die Nische des Träumens nicht habe, dann kann ich auch nicht wieder loslegen und wäre auch nicht auf dem Boden der Tatsachen.

Eine Laterne hängt an einem Ast im Kleingarten von Steffi Geschewski in Lindenau.
Reife und unreife Himbeeren im Kleingarten von Steffi Geschewski in Lindenau.

Autonomie gegenüber der Nahrungsmittelindustrie oder gegenüber dem Blumenladen?

Dann Nahrungsmittel, aber das ist auch noch eine Träumerei. Ich habe ja erst angefangen.

Ich finde es gut, dass es wieder einen bewußteren Umgang mit Natur gibt.

Der Wunsch nach einer Nische, einem Ruheort war ja der Hauptgrund, weshalb Du dir einen Garten angeschafft hast. Aber trotzdem freust du dich vor allem über Besucher?

Ja, das läuft ja ineinander. Ich teile mir das ein. Ich habe gerne Besuch und Freunde da, aber sehr kontrolliert. Ich möchte vorher wissen, wann jemand kommt. Und dann bin ich ganz für den da. Aber ich gehe gern auch einmal nicht ans Telefon und habe keine Verarbredung. Und dafür sind diese 300 m2 mein Tempel.

Was würde dir jetzt ohne den Garten am meisten fehlen?

Das ist schwer zu formulieren.

Was gibt er dir, was dir ohne ihn fehlen würde?

Tatsächlich diese Erdung, diese Ruhe, diese Gelassenheit, dieses Meditative. So etwas wie Unkraut zuppeln. Sobald meine Hände voller Erde sind, rutsche ich in eine Entspannung.

Wie war das Wort, dass du für dich hast, wenn du deine Hände in die Erde steckst?

Erdnuckel.

Steffi Geschewski in ihrem Kleingarten in Leipzig Lindenau.

Urbanes Gärtnern liegt ja voll im Trend. Gibt es da ein Projekt, was dich besonders begeistert?

Dadurch, dass ich hier im Viertel bin, bekomme ich vor allem die Nachbarschaftgärten und das Projekt Anna Linde mit. Ich finde das gut, dass es da wieder einen bewußteren Umgang mit Natur gibt. Die Leute in den Kleingärten lachen sich gerade schlapp. Die haben jahrelang versucht ihre Enkel für den Garten zu begeistern und jetzt auf einmal legen sie auf den Dächern in Berlin die Zucchini an. Das ist vermutlich auch einfach die richtige Entwicklung. Stadt ist schön und gut, aber du bist nur ein Mensch. Du kannst nur eine gewisse Anzahl an Information speichern. Irgendwann brauchst du auch etwas, um loszulassen. Etwas, was von ganz weit drinnen kommt, so etwas wie Unkrautzupfen. Was ganz Banales. Das ist so entspannend.

Info

Steffi Geschewski ist gelernte Arzthelferin. Sie arbeitet seit vier Jahren in der Kostbar, dem Bioladen in der Karl-Heine-Straße. Ihren Kleingarten hat sie 2013 erworben. Jetzt spart sie, um das langersehnte Gewächshaus finanzieren zu können.

Credits

Das Interview führte Petra Mattheis.
Fotos von regentaucher.com.

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