Ohne das kreative Umfeld wird das Viertel nicht das bleiben, was es jetzt ist.

Peter Sterzing

Lesedauer: 13 Minuten

Peter Sterzing ist Geschäftsführer des Westwerks, einem ehemaligen Industrieareal, das nun schrittweise saniert und ausgebaut wird. Wo vor der Wende Industrie-Armaturen hergestellt wurden, findet man heute kleine Handwerksbetriebe, Ateliers von Künstlern, Designern und Fotografen, einen Bootsverleih, einen Lebensmittelhändler, einen Plattenladen und einen Spätverkauf.

Eine große Werkhalle ist das Aushängeschild des Westwerks, in der schon mehrfach die Leipziger Jahresausstellung gezeigt wurde und die fester Bestandteil des Leipziger Westbesuchs ist.

Peter Sterzing wuchs in Erfurt auf und kehrte während eines Jurastudiums in seine Geburtsstadt Leipzig zurück, wo er sich 2004 als Anwalt niederliess. Wenn gerade einmal ein wenig Zeit bleibt, läuft er auch schon mal mit dem Einkaufswagen durch die Naumburger Strasse und sammelt prophylaktisch herumliegende Pflastersteine ein, damit diese nicht als Wurfgeschosse verwendet werden.

Aussenfassade der großen Halle des Westwerks in Leipzig Plagwitz.
Die Aussenfassade der großen Halle. Früher wurden hier Industrie-Armaturen hergestellt.
Das Westwerk Leipzig von der Karl-Heine-Straße aus gesehen.
Die große Halle des Westwerks von der Karl-Heine-Straße aus gesehen.

Wie kamst du zum Westwerk?

Mit dem Westwerk bin ich zum ersten Mal über einen Mandanten in Berührung gekommen, der sich für das Gelände interessierte. Das war im Jahr 2006. Die Anfrage des Mandanten endete 2007 in einem Pachtvertrag und in der Gründung der Westwerk Logistic GmbH, welche sich aus dem Verpächter, dem Eigentümer und dem Verein zusammensetzt. Ich habe damals die Gründung einer Gesellschaft angeregt, damit alle Beteiligten Zugang zu allen Zahlen haben. Mit der Gründung der GmbH war das Mandat dann für mich erst einmal beendet.

Anfang 2009 hat mich der Eigentümer kontaktiert. Es war der 13. Februar, ein Freitag. Er fragte mich, ob ich mir die GmbH einmal genauer anschauen könnte. Ich habe ein halbes Jahr gebraucht um alles aufzuarbeiten und herauszufinden, dass es dem Westwerk nicht gut ging und dringender Handlungsbedarf notwendig war. So bin ich 2009 Geschäftsführer geworden und kümmere mich seitdem um das Gelände. Ich versuche das Westwerk am Leben zu erhalten und weiterzuentwickeln.

Das Westwerk ist eine wunderbare Ergänzung zum manchmal trockenen Beruf des Rechtsanwalts. Hier kann man planen und entwerfen und sieht viele Entwürfe real entstehen.

Man muss ja schon sehr individuell auf die vielen verschiedenen Mieter eingehen, mit den Sorgen und Nöten umgehen.

Wie frei darfst du entscheiden?

Am Anfang bin ich ja mehr als Retter angetreten, aber das sehr heikle Jahr 2010 haben wir geschafft und seit 2011 geht es kontinuierlich aufwärts. Wir schreiben schwarze Zahlen und sind eine ganz normale Gesellschaft die versucht, mit allem wirtschaftlich klar zu kommen. Wir werden nicht gesponsert und erhalten keine öffentlichen Gelder.

Und so hat der Eigentümer in diesen vier Jahren auch viel Vertrauen zu meiner Art des Führungsstils gewonnen. Ich versuche das hier nicht in der Art des gewöhnlichen Hausverwaltungsstil abzuarbeiten. Das würde hier auch nicht funktionieren, nicht auf einem solchen Gelände. Man muss ja schon sehr individuell auf die vielen verschiedenen Mieter eingehen, mit den Sorgen und Nöten umgehen und sich dann und wann mal auf einen Kompromiss einigen. Natürlich muss man darauf achten, dass das ganze Unternehmen nicht an zu vielen Kompromissen scheitert.

Ich habe als Geschäftsführer eine sehr weitgehende Vollmacht. Aber mein Wort hat schon Gewicht, wenn es um den Ausbau und die Entwicklung des Geländes geht.

Peter Sterzing in seinem Büro im Westwerk Leipzig.
Peter Sterzing ist seit 2009 Geschäftsführer der Westwerk GmbH, dessen Büro sich ebenfalls auf dem Gelände befindet.
Das Bootshaus hat seinen Standort im Westwerk
Neben vielen kleineren Betrieben findet man auch einen Bootsverleih im Westwerk, da das Westwerk an den Karl-Heine-Kanal grenzt.

Wo lebt der Eigentümer?

Nicht in Leipzig, er ist bei München ansässig.

Was waren deine ersten Handlungen auf dem Westwerk?

In den ersten Wochen haben wir praktisch nur Müll entsorgt. Wir haben 20.000 Euro ausgegeben, nur um Müll wegzuschaffen. Der gesunde Menschenverstand sagt einem schon sehr schnell, womit man am besten anfängt. Anschließend hatten wir wieder freie Flächen und die brauchst du nun einmal, wenn du Räume vermieten möchtest.

Der hintere Teil des Plagwitzer Westwerks.
Eingang zu einem Gebäude im hinteren Teil des Leipziger Westwerk.
Gebäude im Westwerk Plagwitz.

Wenn dann einmal alles ausgebaut ist, was denkst du, wie viele Mieter wird das Westwerk beherbergen?

Die Frage ist sehr spekulativ, aber man könnte, wenn man den Platz gut und richtig nutzt auf circa 130 Mieter kommen. Wenn man ausschließlich die vorhandene Fläche betrachtet, ist noch Platz vorhanden. Es kommt aber auf das richtige Mischungsverhältnis an und man muss sich ansehen, was der Mieter vorhat. Ich könnte 1000 qm an eine Serverfarm vermieten, dann habe ich wenige Mieter und totes Gelände. Oder an 20 Künstler, Menschen oder Firmen und habe Leben und Arbeit. Das eine kann finanziell sogar besser sein, und weniger aufwändig - es kommt eben darauf an, was man will.

Peter Sterzing in der großen Werkhalle des Westwerks.

Wie teilst du deine Zeit ein zwischen deinen Berufen als Anwalt und als Geschäftsführer des Westwerks?

Inzwischen etwa zu gleichen Teilen. Ich bin sehr gern als Anwalt tätig und muss ja auch Geld verdienen, da ich eine große Familie habe. Ich kann mich aber auf Fälle konzentrieren die mich interessieren, da ich eben auch noch anderes zu tun habe.

Wie wichtig ist es dir, in Plagwitz zu arbeiten?

Seit ich wieder in Leipzig bin, habe ich relativ viel Zeit in Plagwitz verbracht. Damals standen noch die alten Hallen in denen Konzerte stattfanden und wir sind oft in Sommernächten an den Plagwitzer Bahnhof gefahren, haben die Autotüren aufgemacht, Musik gehört, manchmal ein kleines Feuerchen angezündet, ein paar Dosen Bier getrunken. Das war sehr schön und es war auch einfach ein sehr angenehm anderes Viertel. Es war nie langweilig.

Es gab hier auch früher schon viele gute Partys und ich hatte Freunde, die unter anderem in der Naumburger Strasse lebten. Wenn man Freunde in einem Viertel hat, dann ist das auch ein Sympathieviertel. Dann richtet sich das nach den Leuten, und nicht nach dem Aussehen des Viertels.

Leipzig ist für mich eine „Acht Minuten Stadt“. Vom Stadtzentrum aus kommt man mit dem Auto überall hin in acht Minuten und man kann hier super mit dem Fahrrad fahren. Im Moment wohnen wir noch in der Südvorstadt, aber wir ziehen bald nach Lindenau. Das war eher Zufall. Ich hatte nicht speziell hier gesucht, aber mit vier Kindern brauchen wir eine bestimmte Zimmeranzahl.

Westwerk Leipzig.
Die schmale Seite der großen Halle im Westwerk.
Die große Halle ist nicht nur Werk- und Veranstaltungsort. In der oberen Etagen befinden sich auch zahlreiche kleinere Räume.
Blick auf die Phillipuskirche in Leipzig Lindenau.
Blick auf die Karl-Heine Straße. Im Hintergrund erkennt man die Phillipuskirche.
Das Stelzenhaus und die Konsumzentrale vom Westwerk aus gesehen.
Von der großen Halle aus Überblickt einen Teil von Plagwitz. Im Hintergrund erkennt man die historische Konsumzentrale.

Wie kamen die ersten Künstler ins Westwerk?

Als der Verein gegründet wurde, wollten sie auch unmittelbar die Flächen nutzen. Es gab gute Connections in die Kunstszene und daher kamen natürlich sehr viele Künstler hierher.

Nicht alle Mieter der ersten Stunden konnten wir behalten. Manch einer nutzte zwar eine schöne große Fläche, bezahlte aber nichts. Von diesen „Mietern“ mussten wir uns dann trennen. Die Idee hier so etwas zu beginnen und den Mut es durchzuziehen stammt aber nicht von mir. Diese Lorbeeren hat jemand anderes verdient. Das Schöne ist, von Anfang an dabei gewesen zu sein.

Wir möchten hier eine Art Mikrokosmos schaffen und viele anfängliche Ideen werden jetzt auch nach und nach umgesetzt.

Suchst du nur Kreative als Mieter?

Ich hatte zu Beginn versucht, mich in das Ganze hier reinzufühlen. Ich habe geschaut, wie man das Ganze hier strukturieren kann, um einigermassen eine kreative Lebendigkeit zu erhalten und es trotzdem auch wirtschaftlich zu gestalten, so dass es für alle erträglich wird.

Viele von den Leuten, die in der sogenannten Kreativwirtschaft tätig sind, haben ja auch zwei oder drei Jobs. Bei den Kunsthandwerkenden ist es leichter, die können sich eher mit ihrem Beruf über Wasser halten.

Seit 2011 fahren wir Dreigleisig. Wir haben einen künstlerischen Strang mit Musikern und Malern, einen Strang der Handwerksbetriebe und dann einen Strang, der Events und Veranstaltungen beinhaltet. Das versuchen wir auch räumlich zu strukturieren. So entstand die Idee des Handwerkerhofs. Im Westwerk gibt es bereits eine Schlosserei, einen Schmied, einen Steinmetz und jetzt kommen noch zwei Tischler hinzu. Wir möchten hier eine Art Mikrokosmos schaffen und viele anfängliche Ideen werden jetzt auch nach und nach umgesetzt.

Es ist riskant sich nur auf Künstler als Mieter zu konzentrieren, da viele Künstler einfach auch kein Geld haben um regelmäßig die Miete zu bezahlen. Mit den Mieteinnahmen aber steht und fällt das Gesamtkonzept. Wir brauchen die Mischung und wir versuchen auch zu helfen. Wir bauen keine finanziellen Hürden, Mieter zu werden und zu sein. Auf diese Weise erleichtern wir den Einstieg. Wir verschicken auch nicht sofort Mahnungen, wenn die Miete nicht gleich zu Monatsbeginn überwiesen ist oder die Stromrechnung nicht bezahlt wurde. Auf dem Gelände haben wir Schweißer, Metallbauer, Tischler. Wir versuchen diese kurzen Wege zu nutzen, wenn eine Sanierung ansteht oder für das Westwerk etwas getan werden muss. Auch die Mieter verstehen sich ganz gut und sprechen sich untereinander ab. Es gibt kaum Gerangel, das ist wirklich gut.

Detail im Treppenaufgang der großen Halle des Westwerks.
Streetart im Treppenaufgang der großen Halle.
Ein Sofa steht im Eingangsbereich der zweiten Etage der großen Halle.
Aufgenommen in einer der oberen Etagen der großen Halle.

Wie entscheidest du, wen du als Mieter nimmst?

Wir hören uns erstmal an, was die Leute so machen. Man kriegt auch ein Gefühl dafür. Es gibt zwar keine Schubladen, in die ich die Leute stecke, aber die Erfahrung hat gezeigt, wenn jemand mit zu vielen guten Ideen kommt, dann wird es meistens nichts. Wenn jemand aber eine sehr konkrete Vorstellung hat, dann ist das viel einfacher auch den passenden Raum für denjenigen zu finden.

Manchmal bringen die Leute auch Arbeitsproben mit, sie zeigen uns, was sie machen, wollen, dass wir eine Vorstellung davon bekommen. Wir können nicht alle Wünsche erfüllen, aber wir bemühen uns schon, Dinge auch passend zu machen. Wir bauen auch mal eine große Tür ein oder nehmen eine Wand heraus. Auch die Stromzufuhr für spezielle Geräte installieren wir, wenn es notwendig ist.

Die ehemalige Eisengießerei wurde aufwendig saniert.
Die ehemalige Eisengießerei wurde in den letzten Monaten aufwendig saniert und dient nun als Veranstaltungssaal.
Eingang der ehemaligen Eisengießerei im Westwerk.
Im Eingangsbereich hängt eine Aufnahme an der man erkennen kann, wie das Gebäude und die Fabrik selbst einmal ausgesehen haben.
Detail in der ehemaligen Eisengießerei im Westwerk.
Für ausreichende Wasserzufuhr ist gesorgt.

Was wird aus der neu sanierten alten Eisengießerei?

Der vordere Teil wird für Gastronomie genutzt werden, wofür wir bereits einen Pächter haben. Im hinteren Teil befindet sich ein Saal für Events, der von uns selbst bewirtschaftet wird. Wir steigen in den Eventbereich ein und haben für 365 Tage eine Eventstätte für uns. Allerdings haben wir hierfür keine festen Mieteinnahmen, darin liegt für uns die Herausforderung. Bei der Sanierung haben wir weitgehend den Ursprungszustand des Gebäudes wiederhergestellt. Es gab auch eine Denkmalauflage, die Halle zu verputzen und nicht im Ziegel wiederherzustellen. Das hatte den großen Vorteil für uns, dass wir nun eine dicke Dämmung haben und die Räume auch relativ warm auch ohne viel zu heizen sind, es gibt selbstverständlich eine (Fussboden)heizung.

Wenn heute ein Atelier oder ein Proberaum frei ist, dann ist der eigentlich gleich wieder weg.

Wie sind eure Mietpreise?

Unser Mietpreis ist relativ niedrig. Ich vergleiche allerdings auch nicht ständig, weil wir hier unsere eigenen Preise festlegen wollen und alles bezahlbar bleiben soll. Allerdings ist der Markt auch gekippt. Wenn heute ein Atelier oder ein Proberaum frei ist, dann ist der eigentlich gleich wieder weg. Es gibt auch keine Wohnnutzung mehr auf diesem Gelände, was unter anderem am komplizierten deutschen Mietrecht liegt. Zum anderen ist es aber auch weniger hart, jemanden das Atelier kündigen zu müssen, anstatt auch die Wohnung. Was immer heißt, jemanden auf diese Weise auf die Straße zu setzen.

Gibt es noch bewusst frei gehaltene Flächen?

Ja, es gibt noch ein paar Flächen bei denen wir noch nicht genau wissen, was wir damit machen werden. Das liegt auch daran, dass die Anfragen dafür noch nicht passen. Diese Flächen geben wir im Moment bewusst noch nicht raus.

Wir bewerben unsere Flächen auch nicht, wir lassen das ein bisschen auf uns zukommen. Das letzte Jahr war ein sehr anstrengendes Jahr, wegen der Sanierung der alten Eisengießerei, das kann jetzt auch erst mal wieder ein bisschen runterkochen. So können wir in Ruhe schauen, was wir machen wollen. Die Sanierung hat viel geistige Energie gebunden, wenn diese jetzt wieder frei wird, dann kann man schauen, was man damit machen will.

Heißt das, das du auch entscheidest, wieviel Raum jemand benötigt?

Das lässt sich schwer entscheiden als Vermieter. Das ist ja auch immer eine Frage der Preisvorstellung. Wir können aber auch nur die Räume vermieten, die gerade frei sind.

Ich sehe diese Halle in fünf Jahren als ein Stadtteilzentrum.

Im Westwerk befinden sich zahlreiche kleine Betriebe.
Detailaufnahme einer Regenrinne im Westwerk.
Detailaufnahme einer Lampe im Westwerk.
Handkarren vor dem Eingang der Lebensmittelhandlung Egenberger.

Was wird aus der großen Halle?

Wir haben uns für den Standort des „Freien Theaters Leipzig“ beworben, aber es dauert sicher noch eine Weile, bis hier eine Entscheidung fällt. Bis dahin spielen wir mit dem Gedanken, die Halle weitgehend in ihrer ursprünglichen Form zu erhalten und weiterzuentwickeln. Für mich ist sie vor allem ein überdachter Platz. Alles, was man auf einem Platz machen kann, sollte man dort in Zukunft ebenfalls machen können. Ich sehe diese Halle in fünf Jahren als ein Stadtteilzentrum. Ich wünsche mir bis zu vier kleine Geschäfte oder Werkstätten und einen freien Bereich, den man für Konferenzen oder Konzerte nutzen kann. Es bietet sich an, zwei oder drei feste Ansprechpartner in der Halle zu haben und viel freie Fläche, die man für alles Mögliche nutzen kann. Wir sehen uns ja auch als offenes Gelände, das wird sich sicher noch verstärken in den nächsten Jahren, wir werden noch durchlässiger werden.

Was uns zu der Einzäunung führt, die das Westwerk jahrelang optisch von der Aussenwelt trennte. Von wem kam die Initiative, den Zaun zu entfernen?

Das war eine städtische Initiative. Wir haben den Entschluss zwar sehr befürwortet, aber die Initiative kam von der Stadt. Ich habe dann gleich die Tore ausbauen lassen, wodurch das Gelände noch durchlässiger wurde.

Meine Sorge war allerdings, dass unsere große lange Mauer nun ein Opfer der Sprayer wird. Ich habe daher zwei Westwerkmieter angesprochen, die daraufhin die Fläche bemalten. Bislang ist die Fläche weitestgehend unberührt geblieben. Wir überstreichen auch regelmässig die Tore, weil wir zeigen möchten, dass wir uns kümmern.

Wir werden auch noch die Höfe miteinander verbinden, so dass man nicht nur über die öffentlichen Gehwege zum jeweils anderen Hof gelangt. Dann kann die Energie auch fliessen. Das wird auch irgendwann passieren. Die Sanierungskosten, zumindest die kleinen, die erwirtschaften wir ja selbst.

Woher stammt die Fotokabine?

Die Kabine hat Johanna Bender – eine unserer Mieterinnen – installiert, die sie selbst in Kanada gekauft hat. Wir haben das Projekt und den Standort gemeinsam besprochen und sind alle sehr zufrieden damit.

Fotokabine vor dem Westwerk auf der Karl-Heine-Straße.
Fotokabine vor dem Westwerk auf der Karl-Heine-Straße bei Nacht.

Inzwischen ist die Kabine durch den Vandalismus etwas mitgenommen. Kann man etwas dagegen unternehmen?

Sie wurde gleich am ersten Tag auseinandergenommen. Langsam wird die Kabine zu einer Art Bunker, alles wird mehr und mehr verstärkt, so dass es schwerer wird, etwas auseinanderzunehmen. Die Kabine ist auch bereits aufgebrochen und Geld gestohlen worden. Das sind die negativen Seiten von Plagwitz.

Es wird mit Kunst und Kultur geworben, und die Leute, die hier etwas auf die Beine gestellt haben, die müssen jetzt gehen, weil sie ihre Wohnungen oder Ateliers verlieren.

Sagt dir die Entwicklung im Viertel zu?

Aus Sicht des Vermieters macht es Dinge schon leichter.

Dass Atelierhäuser geschlossen werden, freut mich nicht. Man kann die Entwicklung nicht aufhalten. Wir werden wohl keine Insel der Glückseligkeit bleiben. Ich habe gerade aktuell mit Akteuren gesprochen, die sich dafür eingesetzt haben, dass der Leipziger Westen gefördert wird, dass er attraktiv wird. Die werden jetzt im Grunde von hier vertrieben. Es wird mit Kunst und Kultur geworben, und die Leute, die hier etwas auf die Beine gestellt haben, die müssen jetzt gehen, weil sie ihre Wohnungen oder Ateliers verlieren. Ohne die Stadt anklagen zu wollen verstehe ich nicht, wieso sie nicht lenkend eingreift und zum Beispiel städtisches Eigentum zu Atelierhäusern macht. Ohne das kreative Umfeld wird das Viertel auch nicht das bleiben, was es jetzt ist. Dazu gehört auch das dreckige, kaputte und die lustigen Ideen, die man hier überall sehen kann. Sonst verliert das Viertel schnell wieder an Attraktivität. Der Charme geht verloren und es wird beliebig.

Man kann die Leute ja auch nicht einfach in andere Viertel umsetzen. Als erste Frontlinie, die dann das jeweilige Viertel wieder attraktiv macht.

Ich finde es sehr gut, wenn ab und an auch einmal etwas frei bleibt, wie die Fläche beim Stelzenhaus. Da gibt es was zum Spielen, da gibt es einen kleinen Basketballplatz, da ist nicht alles vollgeknallt. Auch dieser Freiraum ist wichtig.

Info

Peter Sterzing ist seit 2009 Geschäftsführer der Westwerk GmbH. Er studierte Jura und arbeitet seit 2004 als Anwalt in Leipzig.

Credits

Das Interview führte Petra Mattheis.
Fotos von regentaucher.com.

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